Verhalten Angehöriger bei Angststörungen

Verhalten Angehöriger bei Angststörungen

 

Wie habe ich mich bei Angstzuständen und Panikattacken meines Gegenübers verhalten?

Wie man sich selbst bei Angstzuständen oder Panikattacken – oder aber bei den ständig auftretenden angstvermeidenden Verhaltensweisen – des Angehörigen zu verhalten hat, kann aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden: Wollte ich stets helfen und für ihn einspringen oder habe ich versucht, das Problem herunterzuspielen? Habe ich meist genervt die Augen verdreht oder konnte ich gelassen mit der Situation umgehen? Konnte ich überhaupt spontan reagieren oder habe ich lieber hinterher kommentiert oder Vorwürfe vom Stapel gelassen? Fand ich meine Reaktionen in Ordnung oder unpassend? Bin ich zufrieden mit meinem Umgang mit dem Problem oder mache ich mir Vorwürfe?

Die Angehörigen müssen für sich einen Weg finden, wie sie auf die Angststörung reagieren können, ohne dass sie sich schlecht dabei fühlen. Sich verstellen oder übermässig an die Situation anzupassen und dabei eigene Bedürfnisse aus dem Blickfeld zu verlieren, würde nur zum Aufstau von Frust und Ärger führen, der vielleicht einmal bei einem Streit zu verletzenden Situationen führt, die das Problem noch zusätzlich verstärken. Sie sollten sich nicht scheuen, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen, denn Ihre Situation ist nicht einfach.

 

Trotz Angststörungen des Angehörigen, vernachlässigen Sie sich nicht!

Tanken Sie Kraft, indem Sie weiterhin Ihren Hobbies nachgehen und sich mit Freunden treffen. Wer mit einem betroffenen Partner oder Angehörigen lebt, neigt in den meisten Fällen dazu, nicht mehr ausreichend für sich selbst zu sorgen. Dabei ist es gerade in einer solchen Situation wichtig, die eigenen Kraftreservoirs regelmäßig aufzutanken. Auch wenn der Partner aufgrund seiner Ängste nicht mehr mitgehen will, sollte man weiter mit Freunden ausgehen, sich zum Sport treffen oder eigene Hobbies pflegen. Wer es nicht schafft, sich das zuzugestehen, kann sich mit dem Gedanken selbst bestärken: „Meinem Partner wird es nur dann wieder besser gehen können, wenn es auch mir gut geht – und er sich nicht für meinen Verzicht auf Lebensfreude und Spontanität verantwortlich fühlt.“ Die eigene Ausgeglichenheit zu bewahren hilft auch, die Balance in der Beziehung aufrecht zu erhalten. Wer zu viel gibt, macht den anderen irgendwann auch Vorwürfe, dass er auf vieles verzichtet hat.

 

Geben Sie keine Ratschläge

Mit Ratschlägen – und seien sie noch so klug oder richtig – können Partner oder Angehörige den Angststörungs-Patienten nicht helfen, weil sie sich nicht wirklich in ihre Lage versetzen können. Automatisch entsteht eine Beziehungskonstellation von überlegenem Nicht-Betroffenen versus schwachen, bedürftigen Betroffenen. Dies führt zwangsläufig zu Konflikten in der Beziehung. Hilfreich ist stattdessen, die Rolle des interessierten, emotional zugewandten, engagierten, aber auch sich selbst nicht aus dem Blick verlierenden Begleiters einzunehmen, der seinem Partner oder Angehörigen zu spüren gibt: „Ich nehme dich ernst! Ich kann nachvollziehen, wie Du leidest! Ich bin für dich da! Aber ich habe meinen eigenen Kopf und tue nicht zwangsläufig das, was du von mir erwartest! Vertraue mir!“

 

Ermuntern Sie Ihren Angehörigen

Es stärkt das Selbstvertrauen, sich an der Seite seines Therapeuten oder begleitet durch den Partner oder Angehörigen in angstbesetzte Situationen zu wagen. Jedes eigenständige Bemühen sollte daher anerkannt und gelobt werden. Klagende und deprimierte Äußerungen übergehen Partner oder Angehörige am besten geduldig, statt sie übermäßig zu beachten. Also: Aufmerksamkeit und Hellhörigkeit für jedes Körnchen positiver Entwicklung, Gelassenheit und Geduld mit den schwierigen Seiten.

 

Zentrale Tipps für den Umgang mit Angststörungen

Überfordern Sie Ihren Partner oder Angehörigen nicht, aber nehmen Sie ihm andererseits auch auf keinen Fall Aufgaben ab, die er noch gut alleine bewältigen könnte.

  • Informieren Sie sich gut über die Krankheit und ihre Ausprägungen. Denn der Betroffene selbst kann seine Bedürfnisse zumeist nicht klar vermitteln oder nimmt sie anders wahr – es steht oft die Stressvermeidung im Vordergrund, und die langfristigen Konsequenzen geraten aus dem Blickfeld. Sie werden vieles verstehen und auch eine Erleichterung verspüren, wenn Sie die Hintergründe der Erkrankung besser durchblicken.
  • Die Angststörung beeinflusst die Gefühle des Patienten, aber nicht seine Intelligenz! Lassen Sie ihn daher alle ihn betreffenden Entscheidungen selbst fällen, bestimmen Sie nicht über seinen Kopf hinweg. Sagen Sie ihm nicht, was er erreichen soll, sondern unterstützen und ermutigen Sie ihn dabei, die Ziele zu erreichen, die er sich selbst gesteckt hat. Geben Sie keine Ratschläge und übernehmen Sie keine Therapeutenrolle – sondern bleiben Sie liebender Partner oder Angehöriger.

Vergessen Sie nicht, für sich selbst zu sorgen – eventuell auch mit professioneller Hilfe. Behalten Sie Ihre eigene Meinung und ihre eigenen Bedürfnisse. Ordnen Sie nicht ihr ganzes Leben dieser Störung unter.

 

Angehörige sollen in die Therapie mit einbezogen werden

In vielen Fällen hat es sich bewährt, Partner oder Angehörige in die Therapie der Angststörung mit einzubeziehen. Oft reicht eingangs ein einfaches Gespräch, um ein Gefühl von Miteinander statt Gegeneinander zu fördern. Jeder kann seine eigene Situation formulieren und fühlt sich ernst genommen. Die Problemsituation zu bewältigen ist als eine Aufgabe für die ganze Familie aufzufassen. Jeder ist wichtig, und nicht nur der Betroffene allein ist für die Lösung seines Problems verantwortlich.

 

Unter Umständen ist auch eine Paar- oder Familientherapie ratsam
Die Auseinandersetzung mit den Perspektiven der Angehörigen ergibt wichtiges Material für die psychotherapeutische Arbeit des Betroffenen. Kommunikation in der Familie findet oft nicht statt, da man sich für die Situation schämt oder sie einem unangenehm ist. Das kann längerfristig zu Verstärkung von Unsicherheit, Unverständnis, Enttäuschung und Rückzug führen. Im weiteren Verlauf der Therapie ist somit in manchen Fällen auch eine Paar- oder Familientherapie anzuraten. Manchmal erfüllt die Angst auch eine bestimmte Funktion in einer Paarbeziehung oder Familiensituation, die erst durch eine gemeinsame Therapie ans Tageslicht kommt.

 

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