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Medikamente

Gegen Depressionen und Angststörungen werden meist die gleichen Medikamente eingesetzt. Beide Erkrankungen gehören zu den „affektiven Strörungen“ und sind stark miteinander verwandt.

Medikamente wie z.B. Antidepressiva sind heute weit verbreitet, besonders in den USA. Somit stellt sich natürlich automatisch die Frage, ob all diese Personen solche Medikamente überhaupt nötig haben. Die Antwort lautet ganz klar nein. Medikamente sollten erst ab dem Zeitpunkt eingesetzt werden, wenn andere Massnahmen wie z.B. Lichttherapie, Psychotherapie, alternativmedizinische Behandlungen etc. versagt haben. Auch ab einer gewissen stärke der Depression und/oder Angststörung sind Medikamente fast unausweichlich, wobei anzumerken ist, dass Medikamente am besten in Kombination mit einer Psychotherapie wirken.

Diese Substanzen greifen primär in den Hormon- bzw. Botenstoffhaushalt des Gehirns ein. Nach gängiger Theorie ist eine Depression sowie eine Angststörung mit einem Mangel des Botenstoffs „Serotonin“ verbunden. Auch ein Ungleichgewicht an Noradrenalin, Dopamin, Glutamat, Endorphin und/oder Melatonin wird für Depressionen verantwortlich gemacht. Medikamente setzten genau dort an. Sie erhöhen die Verfügbarkeit des jeweiligen Botenstoffs zwischen den Synapsen (siehe Video). Um dies zu bewerkstelligen müssen Antidepressiva erst einen Spiegel im Gehirn aufbauen. Dies dauert durchschnittlich 1-6 Wochen, erst dann tritt die eigendliche Wirkung ein. Antidepressiva müssen täglich und konstant konsumiert werden. Medikamente welche den Botenstoff Endorphin beeinflussen gibt es nicht.

Antidepressiva sind also keine „Glückspillen“. Sie haben teilweise starke Nebenwirkungen und sind somit einfach das kleinere Übel. Ein weiteres Problem ist, dass sich nicht vorhersagen lässt, wie der Einzelne auf das jeweilige Medikament reagiert, also welcher Mensch auf was für ein Präparat positiv anspricht. Ähnlich verhält es sich bei den Nebenwirkungen. Nicht alle Nebenwirkungen kommen bei jeder Person vor, bei manchen sogar gar keine. Die meisten Nebenwirkungen verschwinden nach einigen Wochen. Sehr einschneidende Nebenwirkungen wie z.B. Libidoverlust und/oder Gewichtszunahme können allerdings während der ganzen Einnahmedauer bestehen bleiben. Dies ist auch der Grund, warum viele Betroffene die Medikamente in Eigenregie absetzen sobald es Ihnen ein wenig besser geht. Rückfälle sind eine häufige Folge dieses „autonomen“ Handelns. Antidepressiva müssen meist noch Monate nach der Remission (Zeitpunkt der Befreiung aller Krankheits-Symptome) eingenommen und langsam unter Aufsicht eines Arztes reduziert werden.

Im Allgemein reagieren ca. 30% der depressiven Personen auf ihre antidepressive Erstmedikation (das erste Medikament, welches ihnen verabreicht wird). Weitere 40% nach diversen Medikamentenversuchen, welche teilweise auch Neuroleptika, Benzodiazepine, Lithium, Antiepileptika etc. beinhalten. Die Wirkung von Neuroleptika und jene von Benzodiazepine treten bereits kurz nach der Verabreichung ein. Lithium und Antiepileptika müssen wie Antidepressiva zuerst einen Spiegel aufbauen. Im Falle von Antiepileptika geht dies meistens schneller, bei Lithium langsamer.

Unter dem Strich bleiben also immer noch 30% der Patienten, welche gar nicht oder nur stark unzureichend auf Medikamente reagieren. Wem Medikamente nicht helfen ist jedoch noch lange nicht verloren. Neben der Pharmakotherapie gibt es eine ganze Reihe, teilweise hoch effektiver nicht medikamentöser Behandlungsmethoden (z.B. EKT).

Bei den Angststörungen ist die Ansprechrate auf Antidepressiva um ein vielfaches höher.

Hinweis: Für die Häufigkeitsangaben und Packungsbeilagen wurde jeweils das Arztneimittelkompendium der Schweiz angegeben (sofern in der Schweiz vertrieben), da dieses direkt von der behördlichen Medikamentenzulassungs-Stelle (swissmedic) betrieben und somit immer auf dem neusten Stand ist. Es kann somit sein, dass der schweizerische Handelsname nicht mit jenem von Deutschland oder Österreich übereinstimmt, dass Medikament jedoch ist dasselbe. Der Beipackzettel der Schweiz ist mit jenem der EU harmonisiert und somit für alle Länder Europas gültig. Die Angabe der mg pro Tablette/Tropfen spielt ist bei allen Medikamenten desselben Wirkstoffes keine Rolle was Indikationen, Wirkungs- und Nebenwirkungsangaben betrifft.

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