Betäubungsmittel-Missbrauch

Betäubungsmittel-Missbrauch

 

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Bei Missbrauch aller Betäubungsmittel kann es zu Depressionen und/oder Angststörungen kommen. Die psychischen Beschwerden können bereits vor dem Missbrauch (Selbstmedikation), während des Missbrauches (Nebenwirkungen) und/oder beim Absetzen (Absetzsymptome/Entzug) in Erscheinung treten. Nicht alle Betäubungsmittel sind illegal (z.B. rezeptpflichtige Medikamente) und auch nicht alle derer machen Abhängig (z.B. LSD, MDMA usw.). Dies heisst jedoch nicht, dass sie keine psychischen Beschwerden auslösen können. Im Gegesatz dazu stehen mehrere kleinere Studien, welche vor allem Psilocybin (Zauberpilze) und MDMA umfassen. So können diese Stoffe gemäss Studienleitung zur Besserung psychischer Erkrankungen beitragen, wenn sie korrekt verabreicht werden. Die medizinische Anwendung solcher Stoffe als Medikamente ist aufgrund der Drogenpolitik der veragengen Jahre (Krieg den Drogen) jedoch zu wenig erforscht. Auf eine Selbstmedikation sollte desshalb verzichtet werden, nicht zuletzt, da dieselben Stoffe je nach Person eine Krankheit auch negativ beeinflussen können. Es folgt eine sehr kleine Übersicht über die gängigsten Betäubungsmittel (ausg. Nikotin).

 
Alkohol

Alkohol gilt in unserer Gesellschaft als Genussmittel. Bei zu häufigem und hoch dosiertem Konsum kann Alkohol jedoch vom Genussmittel zum Suchtmittel werden. Klassisch für eine Alkoholsucht ist, dass die Beschaffung und der Konsum von Alkohol das Leben bestimmt. Typisch sind fortschreitender Verlust der Kontrolle über das Trinkverhalten bis zum zwanghaften Konsum, Vernachlässigung früherer Interessen zugunsten des Trinkens, Leugnen des Suchtverhaltens, Entzugserscheinungen bei vermindertem Konsum, Toleranz gegenüber Alkohol („Trinkfestigkeit“) sowie Veränderungen der Persönlichkeit. Alkoholsucht ist die häufigste Suchterkrankung in Industrieländern. Alkohol-Entzüge werden mehrheitlich von Depressionen und Angststörungen begleitet. Alkohol kann schwer körperlich und psychisch abhängig machen.

 

Cannabis (THC)

THC ist die berauschende Substanz der Hanf-Pflanze. Dabei werden die Blüten der Hanfpflanze getrocknet oder deren Harz gepresst. Der THC Gehalt in den Endprodukten ist unterschiedlich, je nachdem wie gestreckt das getrocknete Produkt und wie qualitativ hochstehend die Pflanze selbst ist. Um 1968 betrug der THC Anteil im Cannabis rund 5-8%, heute, oft in speziellen Laboren gezüchtet, durchschnittlich 20-30%. Dies könnte eine Erklärung für die rapide Zunahme der psychischen Erkrankungen durch THC sein. Cannabis wird oft mit Psychosen in Verbindung gebracht. Neusten Studien haben ergeben, dass es auch zu Depressionen und vor allem Angsstörungen führen kann. Dies ist insofern interessant, da bei gewissen Menschen Depressionen und Angststörungen durch THC auch gelindert werden können. Allerdings sind diesbezüglich Langzeitstudien noch ausstehend. Auf eine Selbstmedikation mittels THC ist im Hinblick einer akuten oder längerfristigen Verschlechterung des Patientenzustandes zu verzichten.

 

Benzodiazepine & Z-Drugs

Benzodiazepine sind bei akuten Angstattacken alternativlos. Die Einnahme muss aufgrund der Suchtgefahr und der Toleranzentwicklung ärztlich eng überwacht werden. Viele Angstpatienten befürchten, von Benzodiazepinen bereits nach wenigen Einnahmen abhängig zu werden. Dies ist medizinisch nicht begründet. Die Abhängigkeitsgefahr hängt mit der Dauer der Einnahme, der Höhe der Dosis und der Frage nach der Notwendigkeit zusammen. Menschen welche diese Medikamente brauchen, werden weniger schnell süchtig als Menschen, die sie missbrauchen. Bei klinischen Studien hat sich gezeigt, dass Benzodiazepine (vorausgesetzt es liegt keine vorgängige Suchterkrankung vor) nach frühstens 1-2 Monaten regelmässiger Einnahme einer durchschnittlichen Dosis abhängig machen können. Die Toleranzentwicklung tritt schneller ein, schreitet jedoch nach der Gewöhnung an die anfängliche Minimaldosis markant langsamer voran. Auch bei keiner Abhängigkeit können bereits nach kurzer Zeit Absetzerscheinungen wie z.B. Schlaflosigkeit auftreten. Der Benzodiazepin-Entzug (nicht Absetzerscheinungen) an sich gleicht im Bezug auf die Schwere einem durchschnittlichen Rauschgiftentzug bei körperlicher und psychischer Abhängigkeit. Benzodiazepine sind der ganzen Bevölkerung bekannt. Z.B. Diazepam unter dem Markennahmen Valium oder Flunitrazepam unter dem Markennamen Rohypnol bzw. in der Drogenszene auch Roofies, K.O.-Tropfen und Vergewaltigungsdroge genannt. Flunitrazepam wurde in Deutschland vom Markt genommen in den USA gänzlich verboten und in Österreich sowie in der Schweiz nur noch in äussersten Ausnahmefällen (meist in Kliniken) verschrieben. Benzodiazepine wie Lorazepam (Tavor/Temesta) und Alprazolam (Xanax) sind mit Flunitrazepam nur beschränkt vergleichbar.

Z-Drugs (u.a. Zolpidem bzw. Stillnox) wirken in kleineren Dosen schlafanstossend, in höheren, schlaferzwingend. Sie gleichen was das Abhängigkeitspotenzial und der Entzug betrifft den Benzodiazepinen.

 

Amphetamine

Diese Substanzgruppe enthält viele einzelne Betäubungsmittel, welche teilweise schlecht miteinander verglichen werden können. Beispielsweise gehören Methyphenidat (Ritalin) und Methamphetamin (Cristal Meth) beide zu den Amphetaminen, haben jedoch eine völlig andere Wirkung und auch ein völlig unterschiedliches Suchtpotenzial. Weitere Amphetamine sind beispielsweise MDMA, Speed (in der Partyszene auch einfach als Ampthetamin bzw. Amphie bezeichnet), Ephedrin, Methylon, DOI/DOM/DOB, Mephedron und viele weitere Substanzen. Gemeinsam haben Aphetamine, dass sie stark aufputschend und stimulierend wirken. Die meisten wirken zudem appetitzügelnd und euphorisierend. Der Einfluss auf Depressionen/Angststörungen und der Entzug (falls Abhängigkeit) ist sehr unterschiedlich. In Pilotstudien in den USA wird heute versucht, Posttraumatische-Belastungsstörungen mittels MDMA zu behandeln. Die Resultate stehen noch aus.

 

GHB/GBL

GHB wird in der Medizin als intravenöses Narkotikum bei Schnittentbindungen, in der Geburtsanästhesie und bei Risikofällen aller Art (z. B. Patienten mit Leberschaden, Herzkatheterisierung usw.) benutzt. 4-Hydroxybutansäure-Natriumsalz (Natriumoxybat) wurde 2002 in den USA und 2005 in der EU als Medikament zur symptomatischen Behandlung der Narkolepsie (Schlafsucht) zugelassen. Dazu wird es in gelöster Form eingenommen. Bei höheren Dosen hingegen wirkt GHB stark einschläfernd.

GHB wird weltweit auch als Partydroge benutzt. Szenenamen sind unter anderem „Liquid Ecstasy“ – obwohl es keinerlei chemische Verwandtschaft zu dem meist als Ecstasy verkauften MDMA besitzt. Dieser Szenenamen ist mittlerweile auch für die Vorläufersubstanz GBL gebräuchlich.

Die Rauschwirkung ist abhängig von der Dosierung und der Toleranzentwicklung. In geringer bis mittlerer Dosis bewirkt GHB bei oraler Aufnahme einen Rausch, der partiell dem Alkoholrausch ähnelt. Mögliche erwünschte Wirkungen sind Euphorie oder Stimmungsaufhellung, Angstlösung, erhöhtes Selbstbewusstsein, Risikobereitschaft, sexuelle Stimulation, starke Entspannung der Muskeln, intensivere emotionale Wahrnehmung, gesteigertes Mitteilungsbedürfnis bis hin zur Bewegungsdrang, Appetit und/oder Schmerzstillung. Mögliche unerwünschte Nebenwirkungen sind Schwindel, Übelkeit, Benommenheit, Hunger und/oder erweiterte Pupillen. Auch Herz-Kreislauf-Probleme können sich ergeben.

Seit das Benzodiazepin „Flunitrazepam“ (Markennahme Rohypnol) schwierig zu erwerben ist, wird GHB/GBL auch als K.O.-Topfen und als sogenannte Vergewaltigungsdroge missbraucht.

GHB kann (besonders bei nachlassender Wirkung) zu Depressionen und Angststörungen führen. Das Risiko steigt bei regelmässigem Gebrauch.

 

Kokain

Kokain ist eine stark stimulierende Substanz, welche u.a. den Botenstoff Endorphin beeinflusst. Primär ist Kokain jedoch ein Wiederaufnahmehemmer an Dopamin-, Noradrenalin- und Serotonin-Rezeptoren. Bei höherer Dosierung können Symptome wie Nervosität, Angstzustände und paranoide Stimmungen auftreten. Die Dauer des Rausches ist von der Konsumform und der psychischen Konstitution sowie der eingenommenen Menge und Dauer abhängig. Die Cocapflanze als Quelle des Kokains wird in Südamerika (Bolivien, Peru und Kolumbien) in einer Höhe zwischen 600 und 1000m angebaut. Diese Substanz kann einen starken antidepressiven und vorwiegend antriebssteigernden Effekt haben, allerdings nur während der Einnahmedauer. Anschliessend kommt es wie bei den Opiaten/Opioiden zu einem Rebound-Effekt. Auch kann der Kokainkonsum ohne vorgängige Erkrankung Depressionen auslösen. Im Gegensatz zu anderen wiederaufnahme-hemmenden Medikamenten entwickelt der Patient eine Toleranz (er muss immer höhere Dosen nehmen um den gleichen Effekt zu erziehlen), zudem macht Kokain psychisch (aber nicht körperlich) schwer abhängig. Der Entzug wird fast immer von Depressionen und klinischen Ängsten begleitet.

 

Opiate und Opioide

Am Ursprung aller Opiate steht der Schlafmohn, während Opioide auch synthetisch hergestellt werden können. Während der Wirkungsdauer haben Opiate/Opioide einen starken antidepressiven und angstlösenden Einfluss. Primär werden Opiate/Opioide als starke Schmerzmittel in der Medizin gebraucht. Im Falle von Codein als Mittel zur Unterdrückung des Hustens. Im Anschluss an die Wirkung kann es zu einem starken Rebound-Effekt kommen. Auch der Entzug von Opiaten ist mehrheitlich von Depressionen und Angststörungen begleitet. Opiate/Opioide machen schwer körperlich und psychisch Abhängig. Opiate/Opioide sind ua.:

  • Codein
  • Desomorphin (in der Dorgenszene „Krokodil“ genannt)
  • Morphin (auch als Morphium bekannt)
  • Diacetylmorphin (Heroin)
  • Methadon
  • Opium
  • Oxycodon
  • Tramadol
  • Pethidin (Demerol)
  • etc.

 

LSD & Psilocybin

LSD ist eines der stärksten bekannten Halluzinogene. Es ruft schon in sehr geringen Dosen lang andauernde pseudohalluzinogene Wirkungen hervor. Psilocybin ist der psychoaktive Inhaltsstoff sogenannter „Zauberpilze“ (magic mushrooms). Diese Substanzen verändert die Wahrnehmung so, dass sie dem Konsumenten als intensives Erleben erscheint, das Zeitempfinden verändert wird und Umgebungsereignisse deutlicher hervortreten. Hinzu kommen optische, sensorische und akustische Wahrnehmungsveränderungen (Halluzinationen). Diese Veränderungen können positiv oder negativ ausfallen. Bestehende Ängste und Depressionen können einen sogenannten „Horrortrip“ hervorrufen, der als äusserst unangenehm und als vom Konsumenten nicht mehr steuerbar empfunden wird. In neusten Studien wurde jedoch vor allem Psilocybin eine antidepressive Wirkung nachgesagt. Allerdings ist diese nicht kalkulierbar. Bei einigen Personen verbesserte sich die Depression nachhaltig, bei anderen wurden Angstzustände ausgelöst. Vorwiegend LSD ist zudem dafür bekannt, dass es Psychosen auslösen kann.

 

 

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