AD(H)S

AD(H)S

 

ADS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom; ADHS für Aufmerksamheitsdefizit- und Hyperaktivitäts-Syndrom. Folgend wird nur noch der Begriff ADHS verwendet. Menschen mit einem ADHS können sich oft schlecht konzentrieren, sind impulsiv und unruhig. Auf der anderen Seite sind sie häufig sehr kreativ und bei vorhandener Motivation extrem leistungsstark. Sie neigen im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung überdurchschnittlich oft zu psychischen Erkrankungen. Im Bezug auf Depressionen und Angststörungen ergibt sich u.a das Problem, dass Menschen mit einem ADHS teilweise (aber nicht immer) anders auf Medikamente reagieren. Neben der Medikation erzielte die Methode „Neuro-Feedback“ grosse Erfolge, ist jedoch im Zuge einer Depression weniger ausschlaggebend. Ebenfalls als Wirksam zeigten sich diverse Formen der Psychotherapie, insbesondere Verhaltenstherapie als kurzfristige und analytische Psychotherapie als langfristige Option.

 

Text von Dr. Astrid Neuy-Bartmann (Auszug)

Es erstaunt, warum erst in den letzten Jahren die Bedeutung der ADHS im Erwachsenenalter erkannt wurde. Heute wissen wir, dass 50-70% der schon seit ihrer Kindheit betroffenen ADHS-Patienten im Erwachsenenalter noch deutliche Symptome aufweisen. Zunehmend wird deutlich, dass ADHS ein Risikofaktor für die meisten psychiatrischen Symptome im Erwachsenenalter sind.

Es ist anzunehmen, dass ADHS-Patienten vulnerabler, d.h. verletzbarer sind. Dies kann zum einen genetische Gründe haben, sicher sind es aber auch Sekundäreffekte, denn ein ADHS-Kind hat meist viele negative Erfahrungen im Laufe seines Lebens gemacht und musste sich mit häufiger Ablehnung und eigenem Versagen auseinandersetzen. Meist hat ein ADHS-Kind in seiner Entwicklung viel Stress erlebt, und all diese Erfahrungen haben es verhindert, ein gesundes und stabiles Selbstwertgefühl aufbauen zu können. Gerade aber die Selbstzweifel und Selbstunsicherheit sind wieder ein Risikofaktor für Ängste, Depressionen und psychosomatische Störungen.

Bis zu 40% der Erwachsenen ADHS-ler leiden unter Ängsten und Depressionen
Je genauer die Lebensläufe der ADHS-Patienten wissenschaftlich untersucht werden, desto deutlicher wird es, dass es im Laufe der Entwicklung und im Erwachsenenalter zu einem sogenannten Symptomshift kommt, was bedeutet, dass die Symptome sich im Laufe des Lebens verändern und dann eben nicht mehr der Zusammenhang mit ADHS erkannt wird

Im Kindesalter sind die Begleiterkrankungen gut erforscht. So haben die folgenden Erkrankungen ein gehäuftes Auftreten im Zusammenhang mit ADHS:

  • Leserechtschreibstörung bis zu 30% der Fälle
  • Rechenstörung bis zu 30% der Fälle
  • Ticsyndrom (Tourette) 10 – 20%
  • Autismus in 6% der Fälle
  • Zwänge
  • hohe Unfallrate (durch unüberlegtes Handeln)
  • Störung des Sozialverhaltens und oppositionelle Verhaltensweisen
  • (und daraus resultierend eine höhere Rate von Straffälligkeit und Schulabbrüchen)
  • Schlafstörungen

Im Erwachsenenalter zeigt sich dann der Symptomwandel:

  • Bis zu 40% der Erwachsenen ADHS-ler leiden unter Ängsten und Depressionen. Hier müssen sowohl die Ängste und Depressionen wie auch das ADHS behandelt werden.
  • Zwangsstörungen: Bei Auftreten von Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen wird das ADHS sehr häufig übersehen, weil die Betroffenen ja gerade äußerst genau und perfektionistisch sind. Man glaubt heute, dass ADHS in Verbindung mit Zwängen daraus resultiert, dass die Betroffenen auf Grund ihrer leidvollen Erfahrung mit ihrer Vergesslichkeit und ihren Flüchtigkeitsfehlern kompensatorisch übergenau sind und sie sich ständig kontrollieren müssen. Dadurch werden sie sehr umständlich, zäh und langsam, was in ihnen erneut Stress hervorruft.
  • Persönlichkeitsstörungen: Als Risikofaktor oder aber resultierend aus den Erfahrungen in der Kindheit und der Herkunftsfamilie treten häufiger Persönlichkeitsstörungen auf. Hier ist die emotional-instabile Persönlichkeit zu nennen (Borderlinestörung), die enorme Überschneidungen mit der ADHS aufweist. Zur Zeit wird diskutiert, ob nicht ein großer Anteil der Borderlinestörungen des impulsiven Typs unerkannte ADHS-ler sind und als solche behandelt werden sollten (hier kommt es immer darauf an nachzuweisen, dass diese Symptome schon in der Kindheit bestanden haben). Es zeigt sich auch noch ein gehäuftes Vorliegen von antisozialen Persönlichkeitsstörungen, die eine höheres Risiko haben später dissozial zu werden. Auch narzisstische Persönlichkeitsstörungen werden häufiger beobachtet.

Es ist sehr wichtig, eine ADHS zu erkennen und sowohl die ADHS als auch Begleiterkrankungen zu behandeln. Gerade die Symptome der ADHS erfordern eine fundierte Kenntnis des Krankheitsbildes, Behandlungserfahrung und Wissen über das Auftreten der Begleitstörungen. Es ist notwendig eine störungsspezifische Behandlung der ADHS durchzuführen, die auf die besondere Problematik der ADHS abgestimmt ist.

Der Erfolg oder Misserfolg bei der Behandlung dieser Krankheitsbilder hängt von der richtigen Diagnosestellung und einer leitliniengerechten Behandlung ab. Dies gilt für die medikamentöse ebenso wie für die psychotherapeutische Behandlung. So wissen wir heute, dass die Symptome der ADHS mit dem Wirkstoff Methylphenidat sehr gut zu behandeln sind und dass auch eine Psychotherapie bei ADHS einer besonderen Berücksichtigung der ADHS Symptome bedarf. Nicht selten müssen sowohl die Komorbiditäten wie auch die ADHS gesondert behandelt werden.

Dr. Astrid Neuy-Bartmann

 

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